Strategie

Offertprozess digitalisieren, ohne alles umzukrempeln.

Sie müssen nicht monatelang warten, bis etwas sichtbar ist. Sie sehen früh etwas Greifbares, nicht erst nach Monaten. Und Ihr Tagesgeschäft läuft weiter.

Von Dimitri König ·

Das Hauptargument gegen Digitalisierung: «Zu gross, zu riskant»

Wenn inhabergeführte B2B-KMUs über die Digitalisierung ihres Offertprozesses nachdenken, taucht ein Einwand fast immer auf: «Das ist ein Riesenprojekt. Wir können uns das neben dem Tagesgeschäft nicht leisten.»

Dieser Einwand ist berechtigt. Wenn man Digitalisierung als Grossprojekt angeht. Monatelange Anforderungsworkshops, ein Pflichtenheft mit 80 Seiten, eine Implementierung, die sich über ein halbes Jahr zieht, und am Ende eine Lösung, die niemand so wollte, wie sie geworden ist.

Es geht auch anders. Und «anders» bedeutet nicht «oberflächlich». Es bedeutet: schrittweise, datenbasiert und mit früh sichtbaren Ergebnissen.

Der Kern: Starten Sie mit echten Daten, nicht mit Workshops

Der klassische Fehler bei Digitalisierungsprojekten: Man startet mit einem grossen Workshop, sammelt Anforderungen und baut darauf ein Pflichtenheft. Das Problem? Die Anforderungen basieren auf dem, was Beteiligte glauben, was sie brauchen. Nicht auf dem, was tatsächlich passiert.

In meiner Methode starte ich anders: mit rund 100 realen Fällen aus Ihrer Auftragshistorie. Diese Fälle zeigen sofort, welche Muster sich wiederholen, wo die Variantenlogik steckt und welche Fälle tatsächlich Beratung brauchen.

Aus echten Daten entsteht ein Standard-/Sonderfall-Katalog. Nicht aus Meinungen, nicht aus Annahmen. Aus Fakten. Das ist die Basis für alles Weitere.

Drei Phasen statt ein Grossprojekt

Digitalisierung muss kein Alles-oder-nichts-Entscheid sein. Der Weg zum Bestellportal besteht aus drei klar abgegrenzten Phasen, die jeweils eigene Ergebnisse liefern:

Phase 0: Vorprojekt – Klarheit in Wochen, nicht Monaten

Das Vorprojekt dauert wenige Wochen und liefert drei harte Ergebnisse: einen Standard-/Sonderfall-Katalog, einen klickbaren Prototyp (POC) und einen V1-Projektsteckbrief mit Fixpreis und Timeline.

Der POC ist besonders wichtig: Er zeigt Ihnen und Ihrem Team in einer echten, klickbaren Oberfläche, wie der geführte Bestellprozess aussehen wird. Missverständnisse werden sofort sichtbar, nicht erst nach Monaten der Implementierung.

  • Interner Aufwand: 1 Ansprechpartner, Zugriff auf Daten, 1–2 Feedback-Runden
  • Ergebnis: Entscheidungsgrundlage mit konkretem Fixpreis für V1
  • Kein Risiko: Vorprojekt hat eigenen Fixpreis, keine Verpflichtung weiterzumachen

Phase 1: Bestellportal V1 – fokussiert und fixpreisig

Auf Basis des POC entsteht das produktive Portal. V1 bedeutet: der Kern, nicht die Perfektion. Geführte Eingabe, Validierung, Preissimulation, Integration in bestehende Systeme. Alles, was darüber hinausgeht, kommt auf die Liste für später. Mit eigenem Scope und Fixpreis.

Diese Scope-Disziplin ist entscheidend. Ohne sie wächst jedes Projekt unkontrolliert. Das ist einer der häufigsten Fehler bei der Digitalisierung im B2B.

Phase 1.5: Go-live & Betrieb

Begleitetes Go-live, Stabilisierungsphase und Dokumentation. Der Quellcode ist offen und übergabefähig. Sie können jederzeit mit einem anderen Dienstleister weiterarbeiten.

Drei Wege im Vergleich

Es gibt verschiedene Ansätze, den Offertprozess zu digitalisieren. Jeder hat seine Berechtigung, aber nicht jeder passt zu jedem Betrieb.

Standard-Tool Agentur-Projekt Vorprojekt + V1
Vorgehen Tool evaluieren, kaufen, anpassen Pflichtenheft, Umsetzung, Go-live Datenanalyse, POC, fokussierte V1
Basis Feature-Vergleich Workshop-Anforderungen 100 reale Fälle
Prozess-Fit Prozess passt sich dem Tool an Variiert je nach Agentur Tool passt sich dem Prozess an
Scope-Kontrolle Durch Feature-Grenzen Oft schwierig (Scope-Creep) Fixpreis pro Phase
Risiko Teure Customizations Budget- und Timeline-Überschreitung Gering (Ausstieg nach jeder Phase)
Passt wenn Prozess passt ins Tool Grosses Budget, klare Specs Individuelle Varianten und Preislogik

Standardtools funktionieren gut, wenn Ihr Prozess in die vorgegebenen Grenzen passt. Sobald individuelle Variantenlogik, Preisregeln oder Produktionsanbindung ins Spiel kommen, wird dauerhaftes Customizing oft teurer als eine passgenaue Lösung.

Warum «async-first» für KMUs entscheidend ist

KMUs haben keine Projektmanager, die Vollzeit ein Digitalisierungsprojekt steuern können. Der Geschäftsführer hat das Tagesgeschäft, die Verkaufsleiterin hat Kunden, die Produktion hat Aufträge.

Deshalb arbeite ich async-first: Ich nehme die Denkarbeit ab, bereite Entscheidungen vor und brauche nur wenige, gezielte Abstimmungen. Keine wöchentlichen Status-Meetings, kein Workshop-Marathon. Ihr Tagesgeschäft läuft weiter.

Typischer interner Aufwand im gesamten Vorprojekt: 5–8 Stunden. Verteilt auf wenige Wochen, asynchron und mit flexiblen Terminen.

Was Sie nicht ändern müssen

Digitalisierung des Offertprozesses heisst nicht, dass sich alles ändert. Einiges bleibt bewusst gleich:

  • Ihr ERP bleibt: Das Bestellportal integriert sich in Ihre bestehende Systemlandschaft, es ersetzt sie nicht.
  • Sonderfälle bleiben persönlich: Nur Standardfälle werden automatisiert. Alles, was Beratung braucht, läuft weiter wie bisher.
  • Kundenbeziehungen bleiben: Das Portal ist ein Werkzeug für Ihr Team, keine Mauer zwischen Ihnen und Ihren Kunden.
  • Ihr Verkaufsteam bleibt: Es wird entlastet, nicht ersetzt. Freigewordene Zeit fliesst in Sonderfälle, Kundenbetreuung und Wachstum.

Die Kosten im Griff behalten

Einer der grössten Vorteile des phasenweisen Vorgehens: Sie können nach jeder Phase entscheiden, ob Sie weitermachen. Das Vorprojekt hat einen eigenen Fixpreis. V1 bekommt nach dem Vorprojekt ebenfalls einen Fixpreis. Kein Fass ohne Boden, keine Stundenzettellösung ohne Ende.

Die ROI-Rechnung zeigt, ab welchem Offertvolumen und welcher Standardquote sich die Investition rechnet. In den meisten Fällen amortisiert sich das Portal innerhalb von 6 bis 12 Monaten.

Fazit: Klein starten, früh profitieren

Digitalisierung des Offertprozesses muss kein Grossprojekt sein. Die Kombination aus datenbasierter Analyse, frühem POC und konsequenter Scope-Disziplin macht es möglich, schnell und kontrolliert zu starten.

Ihr nächster Schritt? Der Fit-Check zeigt in 5 Minuten, ob Ihr Offertprozess ein guter Kandidat für diesen Ansatz ist. Keine Verpflichtung, keine Kosten. Nur Klarheit.

FAQ

Häufige Fragen

Wie digitalisiert man einen Offertprozess schrittweise?

In drei Phasen: Zuerst ein Vorprojekt mit Datenanalyse und klickbarem Prototyp (wenige Wochen). Dann ein fokussiertes Bestellportal V1 mit Fixpreis. Danach begleitetes Go-live mit Stabilisierungsphase. Jede Phase hat eigene Ergebnisse und Entscheidungspunkte.

Wie viel interne Zeit kostet ein Vorprojekt?

Typisch 5 bis 8 Stunden, verteilt auf wenige Wochen. Es braucht einen Ansprechpartner mit Entscheidungsnähe, Zugriff auf rund 100 reale Fälle und 1 bis 2 Personen für Feedback. Die Hauptarbeit passiert asynchron.

Muss das ERP für ein Bestellportal ersetzt werden?

Nein. Das Bestellportal integriert sich in die bestehende Systemlandschaft. Ihr ERP bleibt, Spezialfälle werden weiterhin persönlich betreut und Kundenbeziehungen bleiben erhalten. Nur Standardfälle werden automatisiert.

Bereit für den ersten Schritt?

Der Fit-Check zeigt in 5 Minuten, ob Ihr Offertprozess ein guter Kandidat für ein Bestellportal ist. Ohne Verpflichtung.