Zum Inhalt springen

Wer ist zuständig: Hoster, Entwickler oder du?

Meist fällt die Frage erst auf, wenn etwas passiert: Der Hoster kündigt das Ende deiner PHP-Version an, eine kritische Lücke steht in den Nachrichten, oder die Website ist plötzlich weg. Der Hoster verweist auf den Entwickler, der Entwickler ist nicht mehr da oder hält sich für den Server nicht zuständig, und am Schluss liegt die Frage bei dir. Hier siehst du, wer typischerweise wofür zuständig ist, was Schweizer Hoster selbst dazu schreiben und was du schriftlich regeln solltest, bevor der nächste Notfall kommt.

Von Dimitri König6 Min. Lesezeit

Hoster, Entwickler und deine Firma sehen jeweils nur einen Teil: der Hoster den Server, der Entwickler den Code, du das Geschäft. Die Lücken entstehen dazwischen, bei Aufgaben, die alle für die Aufgabe eines anderen halten. Stand dieses Artikels: 6. November 2026.

Wer ist wofür zuständig?

Die Matrix zeigt die übliche Verteilung bei einer PHP-Anwendung auf Shared Hosting. «Typisch» heisst: Das gehört meist zum Produkt. «Vertraglich regeln» heisst: Das passiert nur, wenn es schriftlich vereinbart ist. Auf einem eigenen Server, also einem Root- oder vServer, fällt die Hoster-Spalte weitgehend weg. Dann gehören Betriebssystem und PHP zum Entwickler oder Betreuer, oder zu dir.

Aufgabe Hoster Entwickler oder Betreuer Deine Firma
Server und Betriebssystem Typisch: Hardware, Netz, Betriebssystem, Webserver Nur auf einem eigenen Server, vertraglich regeln Auf einem eigenen Server ohne Betreuung: alles
PHP-Version Typisch: Versionen bereitstellen, patchen, alte abstellen Vertraglich regeln: prüfen, ob die Anwendung mit der neuen Version läuft, und umstellen Über das Upgrade entscheiden, Ankündigungen des Hosters lesen
Updates der Anwendung Typisch nicht, ausser bei Standard-CMS über den Installer des Hosters Vertraglich regeln: Framework, CMS, Pakete und Erweiterungen Ohne Vertrag: alles
Backups Typisch: Sicherung der eigenen Server, oft ohne Zusage für deine Daten Vertraglich regeln: eigenes Backup ausserhalb des Servers, getestete Wiederherstellung Wissen, wo die Backups liegen und wer sie zurückspielen kann
Sicherheitslücken Typisch: in PHP und in der Server-Software Vertraglich regeln: in Framework, CMS, Paketen und eigenem Code, dazu die Prüfung auf Spuren eines Angriffs Dafür sorgen, dass jemand zuständig ist und Warnungen ankommen
Domain und DNS Typisch: Domain und DNS verwalten, wenn sie dort registriert sind DNS-Einträge einrichten, wenn nötig Inhaberin der Domain sein, mit eigenem Zugang zum Konto
Zugänge Typisch: Zugänge für den Kontoinhaber wiederherstellen Eigene Zugänge nutzen, keine geteilten Passwörter Kontoinhaberin sein, alle Zugänge im Passwort-Tresor der Firma
Ausfall Typisch: Server, Netz und Rechenzentrum, Meldungen auf der Statusseite Vertraglich regeln: Fehler in der Anwendung, etwa nach einem Update Wissen, wen du zuerst anrufst, und entscheiden, ob die Anwendung vom Netz geht

Dass Domain, Hosting-Konto und Zugänge auf deine Firma laufen, ist kein Misstrauen gegenüber dem Entwickler. Es ist die Voraussetzung dafür, dass jemand anderes übernehmen kann, wenn er ausfällt. Darauf achtest du am besten schon beim Auftrag: Webapplikation in Auftrag geben ohne Abhängigkeit.

Bearbeitet deine Anwendung Personendaten, bleibt die Verantwortung dafür ohnehin bei deiner Firma. Wer Daten in seinem Auftrag bearbeiten lässt, muss sich laut Art. 9 Abs. 2 DSG vergewissern, dass der Auftragsbearbeiter die Datensicherheit gewährleisten kann. Was das bei einem Altsystem bis zur Abschaltung heisst, steht im Artikel Altsystem bis zur Ablösung. Das ist keine Rechtsberatung.

Wartung, Support, Betrieb und Weiterentwicklung

Die vier Begriffe gehen oft durcheinander, auch in Offerten. Wer «Support» bestellt und Wartung erwartet, merkt den Unterschied erst, wenn ein Update liegen bleibt.

Begriff Was er heisst Beispiel
Betrieb Die Anwendung läuft: Server, PHP, Datenbank, Überwachung und Backups funktionieren Das Zertifikat wird rechtzeitig erneuert, die Cronjobs laufen, der Speicher reicht
Wartung Die Anwendung bleibt aktuell und sicher, ohne dass sich ihre Funktionen ändern Ein Sicherheitsupdate für Laravel einspielen, auf PHP 8.4 umstellen
Support Hilfe, wenn etwas nicht funktioniert oder eine Frage auftaucht Das Kontaktformular verschickt keine Mails mehr, ein Export bricht ab
Weiterentwicklung Neue oder geänderte Funktionen Eine Schnittstelle zum ERP, ein neuer Bestellablauf

Zwei Verwechslungen sind besonders häufig. Der Support des Hosters gilt dem Hosting, nicht deiner Anwendung. Und ein Entwicklungsauftrag umfasst nicht automatisch die Wartung danach: Ob der Entwickler nach der Abnahme Updates einspielt, steht im Vertrag oder nirgends.

Was Hoster selbst zusagen

Die Vertragsbedingungen und Supportseiten der Hoster sind in diesem Punkt deutlich. Drei Beispiele aus der Schweiz, abgerufen am 6. November 2026:

  • Hostpoint schreibt auf seiner Support-Seite zu WordPress-Updates: «Wartungs- und Anpassungsarbeiten sowie Updates müssen von Ihnen selbst oder von Ihrem Webmaster durchgeführt werden.» Für Anwendungen von Drittanbietern bietet Hostpoint laut derselben Seite keinen Support an.
  • Infomaniak hält in den Besonderen Bedingungen für Webhosting fest (Ziff. 5.2), dass es in der Verantwortung des Kunden liegt, «die Skripte, Anwendungen (CMS, Foren und andere) sowie deren Abhängigkeiten zu aktualisieren». Für Probleme wegen veralteter Versionen oder fehlender Updates haftet Infomaniak nicht. Nur bei WordPress, das über das Installationswerkzeug von Infomaniak eingerichtet wurde, übernimmt Infomaniak laut eigener Anleitung die Sicherheitsupdates grösstenteils selbst.
  • hosttech sichert laut AGB (Ziff. 4) die eigenen Server regelmässig, trotzdem «ist der Kunde für die Sicherung der übermittelten Daten verantwortlich». Die Haftung für Schäden durch Sicherheitslücken in installierten Applikationen schliesst hosttech aus (Ziff. 5). Wer einen Rootserver oder vServer selbst betreibt, ist laut einem hosttech-Beitrag vom 22. Oktober 2026 für die Updates seines Systems selbst verantwortlich.

Das heisst nicht, dass Hoster untätig sind. Bei den PHP-Lücken vom Oktober 2026 haben viele über Nacht gepatcht, einige haben Server vorsorglich vom Netz genommen. Sie prüfen aber nicht, ob deine Anwendung angegriffen wurde, und machen sie nicht fit für eine neue PHP-Version. Bei einem Managed Server übernimmt der Hoster zusätzlich Teile der Systemverwaltung. Was genau dazugehört und ob die Anwendung dabei ist, steht in seiner Leistungsbeschreibung. Lies sie, bevor du dich darauf verlässt.

Was du schriftlich regeln solltest

Für jede Zeile der Matrix braucht es einen Namen, nicht ein «das macht doch der Hoster». Sieben Fragen, auf die du eine Antwort haben solltest:

  1. Wer spielt Updates von Framework, CMS und Paketen ein, und in welchem Rhythmus?
  2. Wer liest die Mails des Hosters und reagiert, wenn er eine PHP-Umstellung ankündigt?
  3. Wo liegen die Backups, wer prüft sie, und wann wurde die Wiederherstellung zuletzt getestet?
  4. Wer reagiert, wenn eine kritische Lücke bekannt wird, und wer prüft auf Spuren eines Angriffs?
  5. Auf wen laufen Hosting, Domain und Lizenzen?
  6. Wer hat welche Zugänge, und wo sind sie hinterlegt?
  7. Wen rufst du bei einem Ausfall zuerst an, und wer entscheidet, ob die Anwendung vom Netz geht?

Wie schnell die Reaktion sein muss, gehört in den Wartungsvertrag. Ist der bisherige Entwickler nicht mehr erreichbar, beginnst du mit den Sofortmassnahmen, wenn der Entwickler nicht erreichbar ist: Zugänge sichern, Backup ziehen, Rechte klären. Steht deine Anwendung nach einer Umstellung des Hosters schon still, hilft der Artikel Webapplikation wieder zum Laufen bringen.

So ist es bei Unique-P geregelt

Bei der Wartung und Betreuung durch Unique-P ist die Aufteilung so festgehalten:

  • Hoster: Hosting und Domain laufen auf deine Firma, bei einem Hoster deiner Wahl. Bei Bedarf bekommst du eine Empfehlung für einen passenden Anbieter, die Einrichtung inklusive. Der Vertrag gehört dir.
  • Betreuung durch Unique-P: Updates von PHP, Framework oder CMS, Paketen und Erweiterungen in einem festen Rhythmus, vorher auf der Testumgebung geprüft. Sicherheitsupdates zeitnah einspielen, bekannte Schwachstellen im Blick behalten, Zugänge und Rechte sauber halten. Erreichbarkeit, Fehlerlogs, Zertifikate und Hintergrundprozesse überwachen. Backups von Datenbank und Dateien ausserhalb des Servers, mit regelmässig getesteter Wiederherstellung. Dazu Fehlerbehebung, kleine Anpassungen und Weiterentwicklung in Etappen.
  • Du: Alle Zugänge zu Hosting, Datenbank, Domain und Drittanbietern liegen in einem gemeinsamen Passwort-Tresor, auf den du jederzeit Zugriff hast. Code und Dokumentation liegen in einem Repository, auf das du jederzeit zugreifen kannst, Deployment, Backups und Wiederherstellung sind beschrieben. So kann jederzeit eine andere Fachperson übernehmen.
  • Erreichbarkeit: Antwort innert eines Arbeitstags, Notfälle gehen allem anderen vor, und für Notfälle gibt es eine Telefonnummer. Die Reaktionszeit steht im Wartungsvertrag, ein 24/7-Pikett gehört nicht dazu.

Am Anfang steht das Übernahme-Assessment, weil sich eine Anwendung, die niemand richtig kennt, nicht seriös betreuen lässt.

Quellen

  1. [1]Wie häufig muss WordPress aktualisiert werden und wer macht das? · Hostpoint Support Center, abgerufen 6. November 2026
  2. [2]Besondere Bedingungen Webhosting · Infomaniak, deutsche Fassung, abgerufen 6. November 2026
  3. [3]WordPress-App von Infomaniak entdecken · Infomaniak, abgerufen 6. November 2026
  4. [4]Allgemeine Geschäftsbedingungen · hosttech, abgerufen 6. November 2026
  5. [5]PHP-Sicherheitslücken: Was passiert ist und was du jetzt tun kannst · hosttech, 22. Oktober 2026
  6. [6]Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), Art. 9 · Fedlex, Schweizerische Eidgenossenschaft

Häufige Fragen.

Ist unser Hoster für die Updates unserer Website zuständig?

Für Server und PHP ja, für deine Anwendung in der Regel nicht. Hostpoint und Infomaniak schreiben ausdrücklich, dass Updates der Anwendung Sache des Kunden sind, hosttech schliesst die Haftung für Lücken in installierten Applikationen aus. Manche Hoster aktualisieren Standard-CMS wie WordPress, wenn sie über ihren eigenen Installer eingerichtet wurden. Für eine eigene PHP-Anwendung gilt das nicht.

Der Hoster hat PHP gepatcht. Ist unsere Anwendung damit sicher?

Gegen Lücken in PHP selbst ja, sofern der Patch auch deine PHP-Version abdeckt. Lücken in Framework, CMS, Paketen und eigenem Code bleiben offen, bis jemand sie schliesst. Der Hoster prüft auch nicht, ob deine Anwendung vor dem Patch schon angegriffen wurde.

Was nach den PHP-Lücken zu tun ist

Unser Entwickler hat die Anwendung gebaut. Muss er sie auch aktualisieren?

Nur, wenn ihr das vereinbart habt. Ein Entwicklungsauftrag umfasst nicht automatisch die Wartung danach. Steht dazu nichts im Vertrag, fühlt sich oft niemand zuständig, und Updates bleiben liegen, bis du sie jemandem überträgst.

Wartung und Betreuung

Macht der Hoster nicht ohnehin Backups?

Viele Hoster sichern ihre Server, aber das ist nicht dasselbe wie ein Backup, auf das du dich verlassen kannst. hosttech etwa sichert die eigenen Server regelmässig, hält in den AGB aber fest, dass der Kunde für die Sicherung seiner Daten verantwortlich ist. Kläre, wo deine Backups liegen, wie weit sie zurückreichen und ob die Wiederherstellung schon einmal getestet wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Wartung und Support?

Wartung hält deine Anwendung aktuell und sicher, ohne ihre Funktionen zu ändern, etwa mit Sicherheitsupdates und PHP-Umstellungen. Support hilft, wenn etwas nicht funktioniert. Mit reinem Support bekommst du Hilfe im Fehlerfall, Updates spielt aber niemand von sich aus ein.