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Strategie & Entscheidung

Build vs. Buy: Wann sich Eigenentwicklung im B2B lohnt

Standardsoftware kaufen oder passgenau bauen? Die Antwort hängt davon ab, wie einzigartig deine Prozesse wirklich sind.

Jedes B2B-Unternehmen, das seine Prozesse verbessern will, steht irgendwann vor dieser Entscheidung: Kaufe ich ein fertiges Produkt oder lasse ich etwas Eigenes bauen? Beide Wege haben ihre Berechtigung. Aber die falsche Wahl kostet Zeit, Geld und Nerven.

In diesem Artikel gebe ich dir die Entscheidungskriterien an die Hand, die ich in meiner Arbeit mit B2B-Unternehmen verwende. Keine abstrakten Theorien, sondern konkrete Fragen, die dir zeigen, welcher Weg für deine Situation der richtige ist.

Kriterium 1: Wie einzigartig ist dein Prozess?

Das wichtigste Kriterium. Wenn dein Prozess dem entspricht, was 90% der Unternehmen in deiner Branche tun, dann kaufst du. Standardsoftware ist für Standardprozesse gemacht und macht ihren Job gut.

Aber viele B2B-Unternehmen haben Prozesse, die auf den ersten Blick standard aussehen, im Detail aber hochspezifisch sind. Kundenindividuelle Preisstrukturen. Branchenspezifische Konfigurationsregeln. Materialverträglichkeiten, die nur deine Fachleute kennen. Sondervereinbarungen mit Grosskunden, die in keinem Standardfeld Platz haben.

Buy: Wenn der Prozess standardisiert ist

  • Buchhaltung und Lohnabrechnung
  • Standard-CRM für Kontaktmanagement
  • E-Mail-Marketing und Newsletter
  • Zeiterfassung und Projektmanagement

Build: Wenn der Prozess einzigartig ist

  • Kundenspezifische Offertgenerierung
  • Produktkonfiguratoren mit Branchenlogik
  • Bestellprozesse mit eingebauten Regeln
  • System-Drehscheiben zwischen ERP, CRM, PIM

Kriterium 2: Ist der Prozess ein Wettbewerbsvorteil?

Frag dich: Ist die Art, wie du diesen Prozess abwickelst, ein Grund, warum Kunden bei dir kaufen statt bei der Konkurrenz? Wenn ja, dann solltest du diesen Vorteil nicht einem Standardtool überlassen, das auch deine Mitbewerber nutzen können.

Ein Beispiel: Ein Handelsunternehmen kann Offerten in Stunden statt in Tagen erstellen, weil ein internes Tool die Produktlogik und Kundenkonditionen automatisch berücksichtigt. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil. Wenn dieses Unternehmen auf eine Standardsoftware wechseln würde, müsste es Kompromisse bei genau dem Prozess machen, der es einzigartig macht.

Faustregel

Standardsoftware für alles, was jedes Unternehmen gleich macht. Eigenentwicklung für alles, was dich besonders macht. So investierst du dort, wo es zählt, und sparst dort, wo es keinen Unterschied macht.

Kriterium 3: Wie komplex sind deine Integrations-Anforderungen?

B2B-Unternehmen arbeiten selten mit nur einem System. ERP, CRM, PIM, Excel-Listen, E-Mail. Wenn diese Systeme miteinander sprechen müssen, wird es schnell komplex.

Standardsoftware bringt oft fertige Schnittstellen zu populären Systemen mit. Aber sobald dein ERP ein branchenspezifisches Nischenprodukt ist oder deine Datenstruktur vom Standard abweicht, stossen diese fertigen Integrationen an ihre Grenzen. Dann brauchst du entweder teure Customization beim Standardanbieter oder eine eigene Lösung, die genau auf deine Systemlandschaft zugeschnitten ist.

  • Buy passt: Wenn deine Systeme weit verbreitet sind (Salesforce, SAP Business One, HubSpot) und die Standard-Integrationen reichen.
  • Build passt: Wenn du branchenspezifische Systeme nutzen, eigene Datenstrukturen haben oder Daten aus drei oder mehr Quellen zusammenführen müssen.

Kriterium 4: Wie viel Abhängigkeit kannst du sich leisten?

Jede Standardsoftware bedeutet Abhängigkeit: vom Anbieter, von dessen Roadmap, von dessen Preispolitik. Wenn der Anbieter eine Funktion streicht, die für dich zentral ist, hast du ein Problem. Wenn er die Preise erhöht, musst du zahlen oder wechseln (was oft teuer ist).

Eine Eigenentwicklung gehört dir. Du bestimmst, was als Nächstes gebaut wird. Du bestimmst, wann Updates kommen. Du bist nicht davon abhängig, dass ein Drittanbieter deine Branche als relevant genug erachtet, um bestimmte Funktionen zu entwickeln.

  • Vendor Lock-in: Migration von einer Standardsoftware zu einer anderen ist oft teurer als gedacht. Daten, Workflows und Integrationen müssen komplett neu aufgebaut werden.
  • Feature-Abhängigkeit: Sie warten auf ein Feature, das der Anbieter seit zwei Jahren auf der Roadmap hat, aber nie umsetzt. Dein Prozess bleibt ineffizient.
  • Volle Kontrolle: Bei einer Eigenentwicklung entscheiden Sie, was gebaut wird, wann es gebaut wird und wie es funktioniert.

Die häufigsten Denkfehler bei Build vs. Buy

In meiner Arbeit sehe ich immer wieder dieselben Fehleinschätzungen, die zu schlechten Entscheidungen führen. Hier die drei häufigsten:

Denkfehler 1: «Eigenentwicklung ist immer teurer»

Die Anfangskosten sind höher, ja. Aber wenn du die Gesamtkosten über 3 bis 5 Jahre rechnen (Lizenzen, Customization, Workarounds, manuelle Brücken), ist Standardsoftware für spezifische Prozesse oft die teurere Option. Der Kostenartikel zeigt, wie du die ehrliche Rechnung aufmachen.

Denkfehler 2: «Wir müssen uns sofort entscheiden»

Nein. Die beste Entscheidung basiert auf Daten, nicht auf Druck. Ein Prozess-Check liefert dir innerhalb von 2 bis 4 Wochen die Grundlage für eine fundierte Entscheidung. Das ist keine verlorene Zeit, sondern die beste Investition, die du am Anfang machen kannst.

Denkfehler 3: «Build heisst, alles selbst machen»

Eigenentwicklung heisst nicht, dass du eine eigene IT-Abteilung aufbauen müssen. Es heisst, dass ein massgeschneidertes Tool für deine spezifischen Anforderungen gebaut wird. Ich übernehme die Entwicklung, den Betrieb und die Weiterentwicklung. Du konzentrierst dich auf dein Geschäft.

So triffst du die richtige Entscheidung

Die Build-vs.-Buy-Entscheidung ist keine philosophische Frage. Sie lässt sich anhand konkreter Fakten beantworten. Wenn du unsicher bist, gibt es zwei gute nächste Schritte:

  • Fit-Check machen: Der kostenlose Selbsttest zeigt in wenigen Minuten, wie spezifisch deine Prozesse sind und ob eine Eigenentwicklung in Frage kommt.
  • Erstgespräch buchen: In einem kurzen Gespräch kann ich deine Situation einschätzen und eine ehrliche Empfehlung geben, welcher Weg für dich sinnvoll ist.

Wenn das Ergebnis «Buy» lautet, sage ich dir das genauso offen wie «Build». Mir geht es darum, die richtige Lösung für deine Situation zu finden.

Schnelltest: Build oder Buy?

Beantworte vier Fragen und erhalten Sie eine erste Einschätzung.

Wie einzigartig ist dein Prozess?

Ist der Prozess ein Wettbewerbsvorteil?

Wie viele Systeme müssen integriert werden?

Wie viel Anbieter-Abhängigkeit ist akzeptabel?

Ergebnis: von 8 Punkten

Buy empfohlen: Standardsoftware deckt deine Anforderungen gut ab.

Hybrid: Standardsoftware als Basis, ergänzt durch gezielte Eigenentwicklung.

Build empfohlen: Eine massgeschneiderte Lösung passt besser zu deinen Anforderungen.

FAQ

Häufige Fragen

Kann ich mit «Buy» starten und später zu «Build» wechseln?

Ja, das ist sogar ein gängiger Weg. Viele Unternehmen starten mit Standardsoftware und merken nach ein bis zwei Jahren, welche Prozesse zu spezifisch sind. Dann wird gezielt für diese Bereiche eine eigene Lösung gebaut, die auf die bestehende Infrastruktur aufsetzt.

Wie lange dauert eine Eigenentwicklung im Vergleich zur Einführung von Standardsoftware?

Eine fokussierte Startlösung ist typischerweise in 6 bis 10 Wochen produktiv. Standardsoftware ist zwar schneller verfügbar, aber die Einführung (Konfiguration, Migration, Schulung) dauert oft ähnlich lang. Der Unterschied: Nach 10 Wochen hast du ein Tool, das genau passt, statt eines, das fast passt.

Was passiert, wenn sich die Anforderungen ändern?

Bei Standardsoftware bist du auf die Roadmap des Anbieters angewiesen. Bei einer Eigenentwicklung passe ich das Tool an deine neuen Anforderungen an. Die Lösung wächst mit deinem Unternehmen.

Build oder Buy? Finde es heraus.

Der Fit-Check zeigt dir, wie spezifisch deine Prozesse sind und welcher Weg für dich der richtige ist.